von
Helmut Steiner, Hanau am Main
Auf
Einladung des HFC Bad Hersfeld hielt am 02.12.2000 der in
Fachkreisen wohlbekannte Landschaftshistoriker Prof. Dr. S.
Zaenker im Hotel Adler in Fulda einen wohlbesuchten Vortrag
über neue Belege seiner aufsehenserregenden Theorie zur
Entstehungsgeschichte der Eifeler Maare. Wiewohl schon vor
Jahren veröffentlicht, wurden diese Theorien von Teilen der
Wissenschaft bisher nicht zur Kenntnis genommen. "Bestimmte
Kollegen, deren Name ich hier nicht nennen möchte, haben
einfach Schwierigkeiten, Ergebnisse zu akzeptieren, die nicht
von ihnen selbst stammen" so Prof. Dr. Zaenker mit einem
Anflug von Traurigkeit. Angesichts der neuen Belege wird es aber
auch diesen Kollegen schwerfallen, die Theorie Prof. Dr.
Zaenkers weiterhin zu ignorieren.
Wie
allgemein bekannt, aber selten öffentlich zugegeben, existieren
keinerlei schriftlichen Belege für die Existenz der Eifeler
Maare vor dem 15. Jahrhundert. In der berühmten, im Kloster
Weltenburg aufbewahrten Handschrift Res Naturae Eifellensis,
die allgemein auf das Jahr 1463 datiert wird, verbreitet sich
die Dichterin Waltruth von der Storchenweide ausführlich über
die bewaldeten Hügel der Eifel, ohne die heute so auffälligen
Maare auch nur zu erwähnen, wärend die Schriften der späteren
Romantik sich im Zauber der so wundersamen Seen ergehen.
Auf
den ersten Hinweis zur Lösung dieses Problems, das
Limnohistoriker bisher vergeblich zu lösen suchten, stieß
Prof. Dr. Zaenker eher zufällig beim Studium einer
mittelalterlichen Beschreibung der Belagerung der Veste
Innsbruck, die Julius Landsperger, einem Leitermacher im Lager
des Fürstbischofs von Freising, zugeschrieben wird. Dort heißt
es: Unt allsda Mann unt Knecht auf Geheissen Seyner
Fürstpischoefflicher Genaden gegen die Veste stürmeten unt die
Leytern anlegten, da prasselten Bech unt Schwefäl und Eyffeler
Karbitum auf uns hernieden, daßs eynem des Hören und Seh'n
verganget, unt gar manch arm' Christenseele zum Himmel fuhr!
Was
aber hatte es mit dem Eyffeller Karbitum, dem Eifeler
Karbid, auf sich? Studien der mittelalterlichen Kriegskunst
ergaben schnell, daß Karbid, ein extrem hartes Mineral mit der
chemischen Formel CaCO2, im Mittelalter in großem
Umfang als mauerbrechende Katapultsteine und panzerbrechende
Geschosse für Handschleudern verwendet wurden, sowie während
Belagerungen von den Mauern geworden wurden, nicht nur um
Leitern und Sturmtruppen zu zerschmettern, sondern auch, um im
Burggraben ihre höchst eschröcklichste Wirkung zu
entfalten, wie es in einer alten Handschrift heißt. Auch wenn
die Lagerung dieses heiklen Materials immer wieder Probleme
gemacht haben mußte, so ist es beispielsweise belegt, daß die
Burg Trausnitz im Jahre 1451, verursacht durch das undichte Dach
eines Karbidlagers, bis auf die Grundmauern niederbrannte. So
glaubten mittelalterliche Strategen offensichtlich, nicht ohne
diese Waffen auskommen zu können (womit sich erstaunliche
Parallelen zu heutigen, uranbestückten Geschossen ergeben).
Karbid
ist aber nun ein relativ seltenes Material, dessen besonderen
Bildungsumstände immer noch nicht hinreichend geklärt sind.
Einig sind sich die Wissenschaftler nur, daß vulkanische
Vorgänge von nöten sind, wie sie offensichtlich nur in der
Eifel geherrscht haben. Übereinstimmend sprechen alle
mittelalterlichen Wehrschriften immer nur vom Eyffeler Karbit.
Warum findet sich nun in der umfangreichen montanhistorischen
Literatur keinerlei Hinweise auf einen Karbidabbau in der Eifel?
Für Wehrhistoriker ist die Antwort offensichtlich: Der Abbau
unterlag strengster Geheimhaltung, Berichte sind daher nur von
Seiten der Opfer, wie obig zitierter, vorhanden. Als Prof. Dr.
Zaenker beim weiteren Studium der Schriften dann auf
unerklärliche Lücken für die Zeit des ausgehenden
Mittelalters stieß, und nur noch verschwommene Berichte fand,
in denen von Chaos, Tod und Pestilenz und Gottes Strafe die Rede
war, war schnell der Verdacht geboren, daß es zu einem
größeren Unglück in den sicher sehr extensiven Karbidminen
gekommen sein mußte. Ein Restwissen von diesem Unglück war
offensichtlich lange Zeit noch im Volkstum vorhanden, so
schreiben die Brüder Grimm in ihrer ersten Auflage der Deutschen
Volkssagen, daß die ganz alten Leute in der Eifel die Maare
noch "Teufelslöcher" nennen, und hinter vorgehaltener
Hand wispern, die wären entstanden, als Gott die Menschen
strafte, weil sie einander mit Stein und Feuer töteten.
Unabhängige
Bestätigung erfuhr die Zaenkersche Theorie erstmals, als ein
Forscherteam um das französischen Wissenschaftlerpaar Gérard
Stonée und Siglande Stonée-Qua Karbidasche in den Höhlen der
Ardeche einer neutrino-mnemnotechnischen Analyse unterzogen, die
auf dem neuentdeckten Neutrino–Memory-Effekt beruht.
Die
Analysen ergaben, daß die Karbidasche eindeutig aus den Eifeler
Lagerstätten stammten, wobei die Teilchenfraktalreverse den
Zeitpunkt der Explosion mit 90 % Wahrscheinlichkeit zwischen den
Jahren 1475 und 1495 annimmt. Berechnungen der Energiemenge, die
nötig ist, um Karbidasche in derart entlegene Gegenden zu
transportieren, korrellieren relativ gut mit einer Karbidmenge,
die dem heutigen Volumen der Eifeler Maare entspricht, wenn man
eine Überdeckung von etwa 20-50 m Taubgestein annimmt.
Vermutlich waren größere Teile Europas mit Karbidasche
überzogen, die in die Höhlen eingeschwemmt wurden und sich
dort nur unter besonderen Bedingungen erhalten konnten. Weitere
Recherchen des chinesischen Pyrotechnikers Lau Män ergaben,
daß die Staubentwicklung eine Explosion dieser Größenordnung
so groß gewesen sein muß, daß der Himmel in Europa vermutlich
auf mehrere Jahre verdunkelt wurde, und so den Begriff vom Finsteren
Mittelalter geschaffen hat. Auch müssen alle Gebäude in
weiten Teilen Mitteleuropas zerstört worden sein. Während die
Holzhäuser der Bauern aber alle seit langem verrottet sind,
blieben die Ruinen der Burgen vielfach erhalten. Diese Explosion
hat praktisch das Ende des Mittelalters bedeutet.
Soweit
der bisherige Stand der Wissenschaft. Ein wahrhaft
aufsehenerregender Fund in den Meteora-Klöstern in Griechenland
bringt uns nun zum ersten Male Kunde vom tatsächlichen Hergang
dieses Unglücks. Die in hochmittelalterlichem Kirchenlatein
verfaßte Handschrift war jahrhundertelang unbeachtet geblieben,
da diese Sprache den griechisch-orthodoxen Mönchen nicht
geläufig war, ihre Authentizität sei aber über jeden Zweifel
erhaben, wie der als Historiker weitbekannte Abt des Klosters
Dimitri Weberekos bestätigt. Verfasser der Poenas Deo
– Strafe Gottes – betitelten Schrift sei ein Frater Proteus
genannter Mönch, der, wie er selbst berichtet, zur Zeit des
Unglücks im Kloster Mehren Dienst tat und das Unglück auf
wundersame Weise im Weinkeller überlebend, jahrelang durch
Europa irrte, um schließlich in Griechenland zur Ruhe zu
kommen, und dort, seinem Ende nahe, seine Erlebnisse
niederschrieb, der Törichten Menschheit zur Warnung.
Wie
uns Bruder Proteus berichtet, war die Karbidproduktion wohl aufs
äußerste gesteigert worden, da sich das christliche Abendland
zum Kreuzzug rüstete, da sie durch die Türkeneinfälle die
mittelhochdeutsche Leitkultur gefährdet sahen. Gleichzeitig
bereitete sich das Kurfürstliche Bayern in aller Heimlichkeit
zum Krieg mit den Fürstentümern und Königreichen nördlich
der Donau vor, als diese dem Kurfürstentum das Tragen von
Kreuzen verbieten wollten. In diesem Sommer hatte es mehr als
üblich geregnet, die Wege waren aufgeweicht, Regen und Morast
hatten den Abtransport des bereits gebrochenen Karbids
verhindert, und so hatte man entgegen der von Papst Speleus IV
erlassenen Lex Karbitum angefangen, das Karbid in bereits
abgebauten Stollen zu lagern, während sich die
Regenrückhaltebecken mehr und mehr füllten.
Bruder
Proteus Bericht beginnt mit den Worten: Es war an Josephi im
Jahre des Herren 1490 als der Herr großes Unglück über uns
schickte. Ein großes Rumoren sei aus dem Bauch der Erde zu
hören gewesen, als Wasser durch eine undichte Spundwand in das
Bergwerk gelaufen sei, und der türkische Obersteiger Aze
Tüleen habe seine Rüböl-Lampe entzündet und sei in den
Schacht eingefahren, um nach dem Rechten zu sehen, worauf
Gottes Strafgericht über uns hereinbrach, Feuer aus dem Bauch
der Erde spie und der Himmel sich verfinsterte.
Dort aber, wo die
Minen gewesen waren, gab es runde Löcher bis zur Hölle
hinunter, wodurch alle Teufel der Unterwelt aufstiegen, bis der
Herrgott ein einsehen hatte und sie mit den Wassern dieser Erde
zurückspülte. Soweit also der Augenzeugenbericht. Wir
hoffen, daß dieser unwiderlegbare Beweis auch jene Kritiker
Prof. Dr. Zaenkers zum Schweigen bringt, deren Namen wir hier
nicht nennen wollen, und wünschen ihm, daß er endlich die
Anerkennung erfährt, die seinem großen Werk gebührt.