An der Theke steht ein Pferd
oder 10 Gründe,
auf das Belgische Nationaltreffen zu fahren
1000 Sorten Bier
Ein
Treffen zieht das nächste nach sich. Was macht man am dritten
Treffentag auf dem Ostertreffen in Karlsruhe bei Sonnenschein
(!!!)? Den Lieben Gott einen guten Mann sein lassen, mit drei
belgischen Superfinnen badischen Wein schlürfen und den
Vormittag verplaudern. Siggi ssf berichtete von 1.000 Sorten
Bier, handgemacht nach alten Rezepten. Spätestens da wurde uns
klar, warum wir auf das erste belgische Citroen-Nationaltreffen
in Beerse fahren mussten.

Dortmunder
Union mit zwei Wach-Bambis
Schnellrestaurierung
Regen
ist angekündigt, 430 km Fahrt nach Feierabend und eine
stressige Arbeitswoche liegt hinter uns. Als bekennende
Warmduscher beschließen wir eine Woche vor dem Treffen, die
Ente zu schonen und mit AX "Prisemuth" und
Wohnanhänger "Puck" auf das Nationale Citroen-Treffen
zu fahren. (Es sollte der einzige AX-Diesel auf dem Treffenplatz
bleiben.) Ich muss nur noch schnell ein kleines Stück
durchgefaulten Boden im Wohnwagen austauschen.

Puck-Rahmen
während der Restaurierung
Die
ganze Woche habe ich jeden Abend bis in die Puppen gekeult:
Möbel raus, Zierleisten ab, Einstiegsschwellenabdeckung ab,
Bodenbelag raus (mit 1000 Klammern getackert, uaaaah!), Boden
vorsichtig an den verfaulten Stellen raussägen, neues
wasserfestes Sperrholz suchen, finden, kaufen, zuschneiden,
passt nicht, nochmal zuschneiden, Holzkanten streichen,
Roststellen am tragenden Rahmen beseitigen, Rahmenbruch
diagnostizieren, Schweißgerät holen, Rahmen schweißen,
streichen, Holz einbauen, neuen Bodenbelag zuschneiden,
verlegen, alles auf 4 m², wo man sich kaum bewegen kann, weil
der Spülenschrank nicht rausgeht, weil er größer ist als
die Türöffnung, alle Keder und Zierleisten wieder einbauen
(das waren viele), alle Möbel wieder einbauen, fertig, pffffft.
Donnerstag nacht, 0.30 Uhr, noch schnell ein paar Lebensmittel
und T-Shirts reingeworfen, Schlafsack (ach ja), und mit kurzer
Unterbrechung durch die Arbeit ging es Freitag um 18.45 los.
Gegen
1.00 Uhr erreichen wir Beerse völlig übermüdet. Wir dachten
schon, wir wären falsch, aber der Saloon war super
ausgewinkelt. Ja, eine Dude Ranch mitten im Nichts, mit Pferden,
Wiese, absolut authentischem Westernsaloon, sauberen Toiletten
mit Papier (!), warmen Duschen (!!) (ich bin bekennender
Warmduscher, s.o.!), Frietjesbude in einem 10 m langen völlig
skurilen Citroen-Verkaufswagen von 1965, Zirkuszelt und
Feuerstelle. Noch schnell den Wohnwagen aufgestellt, ein
schnelles Bier und heia.
Am
Empfang standen - die Superfinnen Rose-Anne sf und Serge sf, die
wir in Karlsruhe getroffen hatten! Herzliche Begrüßung, und
zack: standen wir mit den beiden, mit Siggi ssf aus Brüssel,
Frederik sf und Isabelle sf im Saloon, vor uns fünf frische
belgische Biere (Santéeuw!) und los gings! Die Musik war geil,
es wurde spät, und dank Aspirin habe ich den nächsten Morgen
einigermaßen überlebt.

"Ich
höre ein Pferd kommen!"
Hoher Besuch aus
dem hohen Norden
Samstag
dann das übliche Treffenfeeling: Rund 350 Fahrzeuge, davon 1 AX
(aus SB), etliche Elfer, HY, DS, Ami, Dyanen, Lomaxe, 2CVs und
alles erdenkliche andere, ein XM aus Finnland, - halt - was? ja,
Henkka ssssssssf war da! Erneutes Hallo, dann war er auch schon
wieder weg, eine Ente kaufen.

Allradgelenkter
Strandwagen
Neuer
Citroen-Prototyp
Mitten
in Luxemburg, wo die Gebühren am höchsten sind, klingelt das
Handy. Steve Hill, der Mann mit den guten Achsschenkelbolzen.
Ich habe mal 4 Sätze bei ihm bestellt, Stück 32 Pfund, also 16
kg. 1 kg kostet derzeit ca. 7,10 DM. Schlucks. Aber die Bolzen
sind wirklich gut. Steve steht jetzt in Dover auf der Fähre und
kommt dann nachher auf das Treffen in Beerse. Aha. Ein Blick auf
die Europakarte sagt uns, dass das wohl morgen wird. Fünf SMS
später steht es vor uns, direkt from outer space: Ein
dreiachsiges Monster-Fiat-Wohnmobil mit HY-Doppelwinkeln,
Kategorie: "Other Citroen". 50 weitere Autos
aus England sind da - Belgisches Bier lockt. Später treffen wir
Engländer, die mit dem eigens im Mercedes-Transporter
mitgeführten Treffen-2CV zum "Steve-Hill-Encampment"
fahren. (Gü führt im 2CV eigens ein Klo-Fahrrad
mit, so ändern sich die Zeiten).
Drivers Meeting
Der
Preis für die weiteste Anreise wäre beinahe souverän nach
Finnland gegangen. Doch plötzlich: "Hello Karsten, hello
Jutta!" Hä? wer? wo? Vicky aus Californien und
Bobby-"Lasst-uns-frohoho-und-munter-sein" aus der
Bretagne ("Töff-Töff") mit kurzen Haaren und
nüchtern! Schlucks! Was ist passiert? Später Abends hat er
dann wieder seinen Normalzustand eingenommen dank belgischem
Weißbier (schmeckt wie Limo, knallt wie Bockbier).
Sonntag
kam Lorraine ssf aus der Bretagne mit Tante Rik ssf (aha!). 12
diesjährige Superfinnen hatten den Weg nach Beerse gefunden.
Abends machten wir ein Drivers Meeting mit Raid-Laponie-Bilder
kucken und überhaupt. Nur Jukka fehlte.
Federkugel-Boule
So
ging es immer weiter, Boule-Turnier mit Hydraulikkugeln (bim),
Kindervermalung, Verlosung (nix gewonnen). Nachmittags kam der
belgische Organisator im Schottenrock und dudelsackspielend
über den Platz gelaufen. (BIM BIM).

Stretch-Dyane
Rust never
sleeps
Abends
dann Oxydation. Oxydation ist der neue Name der Rolling
Stones. Alles live und handgemacht. Ein passender Bandname für
ein Citroentreffen. Bis zur Erschöpfung wurde im Zirkuszelt
abgerockt, allen voran Tina B. aus K. sf. Wer es etwas ruhiger
wollte, konnte in Saloon beim Bier neue Freunde finden. Z.B.
Orne aus Venlo, der mit seinen 80 Jahren auf einem Hausboot
wohnt. Auf dem Treffen schläft er in einem Zirkuswagen, den er
als Wohnwagen im Maßstab 1 zu 1,5 verkleinert nachgebaut hat.
Später kam noch ein Pferd an die Theke. Hatte ich zu viel
Santéeuw intus?

Ornes
Zirkus-Wohnwagen
Silberschläppchen
und Demokratie
Die
Silberschläppchen-Fraktion vom 11. ICCCCCCCCR war gelegentlich
kurz da, fiel aber nicht weiter auf (siehe Bericht aus Chevetogne). Ein
Roter Teppich wurde nicht ausgerollt. Sonntag kamen die
Harley-Freaks zu Besuch, die sich normalerweise im Saloon
treffen, haben aber keinen Ärger gemacht. Nur so, mal schaun,
was die verrückten Citroentypen so auf "ihrer" Ranch
machen. Später höre ich, dass der wunderschöne und originelle
Saloon eigentlich gar nicht da stehen darf, wo er steht.
Offenbar kennen die Harley-Stammkunden aber ein paar gute
Argumente für das Ordnungsamt. So geht Demokratie.
Königliche
Gewächshäuser
Ach
ja, Anlass für den ganzen Blues war eigentlich mein
Geburtstagsgeschenk für Jutta, ein Besuch in den Königlichen
Gewächshäusern in Brüssel, die nur wenige Tage im Frühjahr
für die Allgemeinheit geöffnet sind. Unglaublich, was der
Belgische König vor 150 Jahren sich da hingestellt hat! Ich
würde sage, ca. 10 Hektar Gewächshäuser, mit einem Grundriss,
der von oben betrachtet den Däneken erblassen ließe. Im
zentralen Rundbau (60 m Durchmesser, ohne scheiß) aus Gusseisen
und Glas war ein Palmenwald angebracht, dann gab es -zig
Seitenhäuser, Gänge, Gewächstunnels (!), und und und.

Königliche
Gewächshäuser (Teilansicht)
Kliwösselplingbööööööööööpfrt
Noch
ganz betört von so viel Schönheit wurden wir jäh aus den
Träumen gerissen. Irgendwo auf der Autobahn machte der AX
plötzlich kliwösselplingbööööööööööpfrt, und -
nichts. Alles wie vorher. Fenster auf, es stinkt nach Diesel.
Hm. Vielleicht der LKW da vorne. Abends wundere ich mich über
Ruß an den Fingern. Oh no! Das letzte Endrohr vom Auspuff ist
abgefallen (15 cm), und jetzt drückt das Scheißding den
rußigen Dieselqualm zwischen Stoßstange, Heckklappe und
Kofferraumboden in alle möglichen Hohlräume, da die
Kofferraumklappendichtung nicht am Rand der Klappe, sondern 5 cm
nach innen versetzt ist. Alles rußig! Wenn man vorne das
Fenster aufmacht, kommt Dieselqualm rein! Wer denkt sich so eine
Scheiße aus? Warum sind wir nicht mit der Ente gefahren?
Wirtschaftsforschung
Als
Wirtschaftsforscher und gelegentlicher Treffenveranstalter
interessieren mich natürlich auch ökonomische Daten. Über 350
Fahrzeuge waren angemeldet, ein Rekord für ein erstes Treffen.
Der Veranstalter, ein belgischer 2CV-Club, ist zufrieden. (Der
einzig Unzufriedene war der Wirt, der Harleytreffen-Biermengen
und Essensverkauf einkalkuliert hatte.) Na denn.

Ententreffen
auf Motorhaube
Alles
in allem ein so richtig bimbambummenes Wochenende, gut zum
Festplatte Formatieren und schade, dass niemand aus Österreich
da war. 2001 haben wir vor, wieder hinzufahren!
Karsten
Schreiber ssf
SB-CV 913
Happy Ents Saarbrücken
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