
"What
kind of car is this?"
Teil 1: Bericht
vom 12. ICCCR in Amhearst, Massachussetts, USA
Ami-Land im 2CV,
das hat was. Aufhänger war ja bekanntlich das oder die ICCCR ("International
Citroen Car Club Ralley") in Amhearst, Massachusetts.
Bisher war diese Veranstaltung alle 3 oder 4 Jahre in Europa.
Vor 4 Jahren in Belgien hat irgendwer beschlossen, es mal in den
USA zu versuchen. Da gibt es ja so viele Citroens...

Immerhin, ca. 850
DS, SM, Enten, 11CVs, CXe und einige sonstige Modelle fanden
sich im Campus der UMASS zusammen, davon 150 aus Europa, davon 1
Ente aus Saarbrücken, darin Michael und ich.

Die Organisatoren
hatten große Teile des Campus der University of Massachusetts
für das Treffen gemietet. Um den Stadtparkteich des Campus der
UMASS wurden die Fahrzeuge der Besucher nach Typen sortiert
aufgereiht. Das bunteste Bild gab die Abteilung "2CV and
Derivatives" ab.

Edler ging es bei
den hydraulisch gefederten Typen zu, die es in allen Farben,
Varianten und Erhaltungszuständen zu sehen gab.

Leider
haben es die amerikanischen Behörden verstanden, das
wunderschöne Styling der DS mit vorschriftsmäßigen
Beleuchtungseinrichtungen gehörig zu verschandeln.


In der
SM-Abteilung warteten einige technische Leckerbissen auf uns.

Des Rätsels
Lösung: Ein 230 mph (!) schneller SM auf einem hydraulisch
gefederten (!!) Sattel-hänger mit zwei Achsen. Zugfahrzeug war
ein zum Pickup umgebauter SM (!!!).
Einige wirkliche
Oldies waren aus Belgien angereist, unter anderem einer der
ersten produzierten Citroens von 1919.

Die Reihe der
11CVs und Derivate zerfiel in zwei Zielgruppen: a) die
Überrestaurierten, und b) die "Tracbar"-Gruppe. Die
ersteren gingen um 18 Uhr in ihr Hotel, um ihre Goldschläppchen
auszuziehen. Letztere BENUTZEN ihre Autos, kommen aus aller
Welt, schlafen im Campus und haben mindestens so viel Spaß an
Raids und Treffen wie Entenfahrer. Diesmal fuhren sie auf
eigener Achse von Los Angeles nach New York und dann zum ICCCR.
Hut ab.


Wir fühlten uns
sehr wohl bei ihren Parties, obwohl es diesmal kein Wildschwein
gab.

Die Organisatoren
hatten für das staunende amerikanische Publikum sehr liebevoll
ein kleines Museum mit den wichtigsten Meilensteinen der
klassischen Citroengeschichte mit besonderer Berücksichtigung
der Vermarktung in den USA zusammengetragen. Citroen hatte
eigens den 2CV-Prototyp und einige weitere Modelle beigesteuert.
Stellvertretend für die ansonsten in Europa gut bekannten
Modelle sei hier ein Exot abgebildet: (Wer weiß, was das ist,
kann uns ja mal ein Email schicken!)

Am Ende des
Treffens gab es einen concours d'elegance, bei dem die
von den Teilnehmern gewählten Schönheitsköniginnen
ausgestellt wurden. Mit dem schönsten 2CV konnte unsere Ente
Marlene mit ihren Kampfspuren aus 39 Jahren zugegebenermaßen
tatsächlich nicht konkurrieren.

In der Klasse der
2CV-Derivate gewann Willem Klein Lankhorst aus den Niederlanden
mit seinem 1958er Radar, von dem nur 25 Stück gebaut wurden.
Interessant ist, dass als Frontscheibe eine DS-Rückscheibe
verwendet wurde. Als Sitzbank diente eine Entenrücksitzbank.
Willem hat das ursprünglich 9 PS starke Auto 1974 auf 602cc
umgerüstet.

Nach der
Preisverleihung bedankte sich Jerry Hathaway (links) von der SM
World in Kalifornien stellvertretend für alle Treffenteilnehmer
bei Michael (mitte) und Cherise Cox (rechts) und den rund 40
ehrenamtlichen Helfern von zahlreichen amerikanischen Clubs für
die hervorragende Organisation des Treffens.

Teil 2: Mit
einem 2CV durch die USA
Impressionen von
unserer Reise
Doch zurück zu
unserer Reise. Wie immer zog sich das Abholen des per DEUGRO
verschifften Autos länger hin als geplant, so hatten wir nach
unserer Ankunft zwei Tage, New York zu erkunden.

Immer noch steht
vieles im Zeichen des 11.9.2001. Die Besichtigung des Lochs, wo
ehemals das World Trade Center stand, hat mich tief beeindruckt
(links im Bild, neben den ersten 4 Hochhäusern). Gehöre ich
doch zu der Generation, die - Gott sei Dank - noch nie so etwas
wie Kriegsschäden life miterlebt hat.

Vom "ground
zero" ging in konzentrischen Kreisen ein Beben des
Patriotismus aus, das mir die zweite Gänsehaut verpasst hat.
Überall der Sternenbanner, überall Hinweise darauf, wie
patriotisch man doch ist. In New York war dies natürlich am
schlimmsten.
Schon wenige
Häuserblocks weiter war die Normalität wieder eingekehrt, so
in Chinatown, einer Welt für sich.

Ihren Humor haben
die Amerikaner auch nicht verloren...

Im
Rockefeller-Center hat ein Künstler seine Fassung von
Oldtimer-Restauration ausgestellt:

Nach zwei Tagen,
die wir mit einem funktionierenden, aber völlig langweiligen
Chevy Metro verbracht hatten, konnten wir endlich unseren 2CV in
Empfang nehmen. Der Hafen von Newark, NJ, war ein Erlebnis für
sich. Ebenso wie die Stadt Newark.

Insofern waren
wir froh, endlich in die kleinstädtische und ländliche Idylle
der Hudson River Region des Staates New York und von
Massachusetts entfliehen zu können. Michael sagte einmal, es
ist alles wahr. So wie man Amerika und die Amerikaner aus dem
Fernsehen kennt. Kleine weiße Kirchen, putzige Holzhäuschen,
weiße Zäune, shiny happy people und riesige Trucks.

Offenbar ziehen
die, die es geschafft haben, in eine Kleinstadt nach New
England. Welch ein Kontrast zu den Slums von Newark.

Nach dem Treffen
in Amhearst haben wir den Kreis durch New England fortgesetzt.
Am besten hat uns Vermont gefallen. Zur Küste hin (Maine) wurde
es erst nobler, dann voller - ein Bad im Atlantik ist uns nicht
geglückt.

Nach dem
Stadtschock von New York war unsere Lust auf weitere Städte
gedämpft. So haben wir es in Boston bei einer Auto-Rundfahrt
durch die Innenstadt belassen.

Freundlicherweise
bot sich ein Stadtrundfahrt-Fahrzeug als Führer an, wir fuhren
ihm einfach hinterher, bis es mit 30 jubelnden Touristen im
Hafenbecken verschwand - es war ein voll funktionsfähiges
Amphibienfahrzeug!

In Rhode Island
haben wir die Villen ("Mansions") vergangener
Industriemagnaten bewundert: 70 Zimmer, 14 Badezimmer,
unverbaubarer Meerblick, 10 ha Grund. Was will man mehr.

Von Connecticut
ist mir hauptsächlich die schöne Parkway erinnerlich
geblieben: Eine LKW-freie Autobahn, die der Park Service mit
sehr viel Einfühlungsvermögen in den 30er und 40er Jahren
erbaut hat. Jede Brücke ist anders, jede ein Art Deco
Kunstwerk.
Nach einem kurzen
technischen Stopp bei dem Zollamt im Hafen von Newark (Korrektur
der Zollpapiere von Marlene, Entrichtung von 47,50 $
Einfuhrzoll) war der 2CV also offiziell eingeführt. Im Prinzip
ganz einfach. Niemand kennt wirklich die genauen Bestimmungen;
zumindest hat auch niemand das Fahrzeug persönlich in
Augenschein genommen. Das Baujahr 1963 war auf jeden Fall ein
Schlüssel zum reibungslosen und legalen Import.

Zur Abwechslung
mal ein kulinarischer Höhepunkt: Frisch gemachte Hamburger.
Endgültig der
Ballungsräume und der feuchten Hitze im Tiefland überdrüssig,
machten wir uns von Newark auf den Weg ins Hillybilly-Country in
den Appalachen. Am Wegesrand irgendwo in Pennsylvania
beeindruckte eine Schulbussammlung.

Über schönste
Nebensträßchen und teilweise über die Blue Ridge Mountain
Parkway arbeiteten wir uns in der verbleibenden Woche hinter den
sieben Bergen bei den sieben Zwergen durch Pennsylvania,
Virginia, West Wirginia, Mountain Mama, Country home, Tennessee,
North und South Carolina bis nach Georgia.

Dies war
eigentlich der Erholungsteil, einen Tag haben wir in Virginia in
einem wunderschönen National Forest Park sogar mal Urlaub
gemacht. Und zwar auf dem schönsten und zugleich billigsten
Zeltplatz der Reise, der völlig überfüllt war ;-).

Endlich konnten
wir in Ruhe die lange erwarteten Steaks auf dem äußerst
soliden, bundeseigenen Grill anfertigen.

In den Blue Ridge
Mountains fanden wir unseren Altersruhesitz. Michael wird das
Haus kaufen, und wir durften schon mal zur Probe sitzen (Man
beachte die vorgeschriebenen grauen Socken!).

Zahlreiche wilde
Tiere säumten unseren Pfad. Ein Groundhog querte vor und
die Straße. Ob er in Punxatawney ausgerissen war, wissen wir
nicht. Kurz drauf brachen drei Guru-Gurus aus dem Gehölz.
Schließlich retteten wir eine Schildkröte davor, überfahren
zu werden. Sie enthielt kein Turtle Wax.

Die Warnung vor
kreuzenden Enten ist sehr ernst zu nehmen.

Auf dem Weg zum
Smokey Mountains National Park hatten wir uns hoffnungslos
verfahren. Kurzzeitig wähnten wir uns in Griechenland, wo
Autobahnen in einspurige Feldwege übergehen. Weitergehendes
Kartenstudium ergab jedoch, dass wir uns genau auf der Grenze
zwischen Virginia und Tennessee befanden, als dieses Bild
entstand.

Wir entschlossen
uns, das einzige nach Stunden entgegenkommende Fahrzeug
anzuhalten und nach dem Weg zu fragen. Nach einer langen Pause
antwortete der Fahrer mit einer Gegenfrage: Ob die Richtung, aus
der wir kamen, zur Autobahn führe. Wir lachten beide und
versicherten uns gegenseitig, auf dem richtigen Weg zu sein.
Michael glaubte mir immer noch nicht. Wir hielten den nächsten
Wagen an, diesmal einen Einheimischen in einem Pickup-Truck.
"Youreaaahnderightway" war seine Antwort im breitesten
Südstaatenamerikanisch.

In Jonesboro,
Georgia, dem Heim von "Gone With The Wind",
fand Marlene eine vorübergehende Bleibe bei einer Familie, die
noch 5 andere Citroens, einen Renault "Le Car" (R5)
und einen Alfa im Vorgarten stehen hatte. Nancy, die Mutter, hat
die Autos wohlgemerkt gekauft, Bob duldete ihren Spleen, fährt
aber auch mit dem SM oder dem CX zur Arbeit. Die zwei (überigens
äußerst liebreizenden) Töchter schlugen etwas aus der Reihe,
sie begnügten sich (bislang) mit japanischen Kleinwagen.
Nancy half mir,
Marlene endgültig zu naturalisieren. Nach erfreulich
unkomplizierten Anmeldeformalitäten prangt von Marlenes Heck
jetzt stolz der Spruch: "Georgia on my mind".

Karsten
Schreiber, Happy Ents Saarbrücken
Zurück zum Seitenbeginn 
|